
Gesunde Wohnatmosphäre
schaffen
Was heißt gesund
wohnen?
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Welchen Einfluss
hat der Raum, in welchen wir uns aufhalten, essen, verweilen
und schlafen auf unser körperliches und seelisches Wohlbefinden?
Jeder Ganzheitsmediziner
und jeder Psychologe könnten darauf eine Antwort geben. Er
weiß von seinen Patienten, wie bedrückend und einengend ungünstig
eingerichtete Räume sein können, wie negativ sich strenge
Linien, Kanten oder gar Spitzen von Einrichtungsgegenständen
in unseren Wohnungen und Büros auf unser Gemüt schlagen.
Früher hat sich
der Mensch nach der Natur gerichtet; er hat z. B. auch in
der Architektur die Umgebung mit berücksichtigt, wie die Beschaffenheit
des Geländes, die Himmelsrichtung u. a. mehr. Die Bauweise
war organisch, die Linien nicht starr und ausklammernd, sondern
fließend und schwingend, wie das Leben selbst ein ständiges
Fließen und Atmen ist und sich in den vielfältigsten Formen
ausdrückt. Was hier für die Umgebung gilt, gilt ebenso für
die Gestaltung von Innenräumen.
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Unbewusst tat der Mensch
früher das, was ihm gut tat und ihm entsprach. Die Technik hat nicht
nur unseren Arbeitsplatz erobert, sie ist auch in unsere privaten
Räume eingedrungen. Heute wird eben vielfach vom Intellekt her gezeichnet
und geplant, streng geometrisch, technisch. Das Empfinden rückt
an zweite Stelle oder hat gar keinen Platz mehr. Es bleibt jedoch
immer noch die Möglichkeit, dass der Mensch sich in seinen Privaträumen
die Atmosphäre schafft, die ihm Entspannung und Ausgleich zu geben
vermag.
Wohl fühlen wir uns
dann, wenn diese Hülle unser ästhetisches Empfinden anspricht, wenn
sie harmonisch und aufeinander abgestimmt ist. Linien, Formen und
Farben haben die Aufgaben zusammen mit den verwendeten Materialien
ein Ambiente zu schaffen, das entsprechend und gleichzeitig belebend
ist.
Das erreicht man durch
weiche schwingende Linien bei den Möbeln, indem die Türen und Öfen
in die Konzeption aufgenommen werden sowie durch das Abfangen von
rechtwinkligen, vom Raum her gegebenen Ecken, die durch die Linienführung
der Einrichtungsgegenstände "entschärft" werden. Außerdem
wird dadurch bewirkt, dass ein ansonsten kleiner Raum sich optisch
weitet. Wand- und Deckenfarben die je nach Raumhelligkeit und nach
der Bestimmung des Raumes eingesetzt werden; z. B. haben für einen
Schlafraum beruhigende Töne und für den Wohnraum belebende Töne
ebenfalls raumtherapeutische Wirkung. Behandeln wir die Oberflächen
außerdem mit natürlichen Mitteln wie Ölen oder Bienenwachs, wird
auch durch unseren Geruchssinn eine positive Wirkung erreicht. Außerdem
sei noch hinzugefügt, dass jede ergänzende Handarbeit dem Möbel
eine ganz besondere Prägung verleiht.
Anknüpfend an unsere
alte alpenländische Tradition können wir Wohnräume schaffen, die
dieselbe heimelige Atmosphäre ausstrahlen, die wir empfinden, wenn
wir eine alte vertäfelte Bauernstube betreten. Auch wenn wir sie
unseren heutigen Bedürfnissen und Gepflogenheiten entsprechend einrichten,
indem wir z. B. die einstmals lange Bank entlang der gesamten Raumlänge
durch eine gemütliche Couch ersetzen und den Fernseher so in einen
Schrank integrieren, dass er nur dann in Erscheinung tritt, wenn
wir ihn gebrauchen. So vermögen wir unter Beachtung der oben erwähnten
Perspektive und Arbeitsweise unseren Räumen eine gesunde Wohnatmosphäre
zu geben.
Walter Senn
Raumtherapeut u. Designer
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