Jetzt NEU ... DER BAUFUCHS 2008 & DAS BAULEXIKON - Die wichtistgen Baubegriffe von A-Z !!!

        

HOME LINKS & ADRESSEN KONTAKT INFOS
Suchen und Finden Sie hier
 Ihren Baupartner in Südtirol (341)
  A B C D E F G H I J K L M N
 O P Q R S T U V W XYZ
 

 

 

 

 


 

Radongas

Ein Risikofaktor der beim Neu- oder Umbau unbedingt vorher berücksichtigt werden sollte.

Radon ist ein natürliches radioaktives Edelgas, das beim radioaktiven Zerfall von Uran entsteht und praktisch überall in unterschiedlichen Konzentrationen vorkommt. Besonders hohe Konzentrationen finden sich in kristallinen Böden (z.B. Granit, Gneisen). Vom Erdreich kann Radongas über undichte Stellen in unsere Häuser eindringen und dort, vor allem in Keller- und Parterrewohnungen, beachtliche Werte annehmen (in Südtirol bis zu einigen 10.000 Bq/m_).

Erhöhte Radonwerte im Wohnbereich sind eine Gefahr für unsere Gesundheit. Eine neue europaweite Studie des deutschen Bundesamtes für Strahlenschutz bestätigt, dass Radon im Wohnbereich für eine Vielzahl von Lungenkrebsfällen verantwortlich ist (http://www.bfs.de). Besonders gefährdet sind Raucher, die in Räumen mit hohen Radonkonzentrationen leben.

In Italien gilt für Arbeitsräume, wie auch für Schulen und Kindergärten, ein Grenzwert von 500 Bq/m_ als Jahresmittelwert. Seit 03. Februar 2002 ist die Radonmessung in unterirdischen Arbeitsplätzen verpflichtend vorgeschrieben. Wird der Grenzwert überschritten, müssen Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden (Legislativdekret Nr. 241 vom 26. Mai 2000). Für den privaten Wohnbereich gibt es vorerst nur einen Richtwert, und zwar 400 Bq/m_ bei bestehenden Bauten und 200 Bq/m_ bei Neu-bauten (EU-Empfehlung 90/143/Euratom vom 21/02/90).

In Südtirol sind mehrere Gebiete vom Radonproblem betroffen. Als Risikozonen gelten insbesondere der
obere Vinschgau, die Gegend von Franzensfeste und Lüsen, sowie einige Gemeinden im Hochpustertal
(siehe die Radonkarte von Südtirol und die Messwerte der einzelnen Gemeinden im Bürgernetz im Internet: www.provinz.bz.it/umweltagentur/2908/radon/index_d.htm).
Bemerkenswert ist, dass bei ca. 2% der in Südtirol untersuchten Häuser die Jahresmittelwerte in einigen Räumen im Parterrebereich über 1000 Bq/m_ liegen. Wer dort dauernd wohnt, ist annähernd dem doppelten Lungenkrebsrisiko ausgesetzt. Ein frühzeitiges Aufspüren der Risikosituationen ist daher von entscheidender Bedeutung für unsere Gesundheit.

Grundsätzlich ist jedes Haus ein Einzelfall. Selbst benachbarte Häuser gleicher Bauart können völlig verschiedene Radonwerte aufweisen. Eine sichere Auskunft erhält man nur durch eine Radonmessung. Eine Messung kostet zwischen 25 Euro (Langzeitmessung mit passivem Dosimeter) und 50 Euro (aktive Sofortmessung) und kann bei der Landesumweltagentur-Labor für physikalische Chemie angefordert werden. Radonbelastete Häuser haben oft gemeinsame Merkmale. Treffen gleichzeitig mehrere der angeführten Punkte zu, ist eine Radonmessung auf jeden Fall zu empfehlen.

  • Das Haus befindet sich in oder nahe einem Radongebiet.
  • Das Haus befindet sich in Hanglage (auf einem Murgang oder Schuttkegel).
  • Die Räume haben an mehreren Wänden und am Boden direkten Erdkontakt und sind schlecht
    isoliert.
  • Die Räume befinden sich über einem wenig belüfteten Naturbodenkeller mit einer schlecht isolierten Decke (z.B. alte Holzdecke).

Besonders wichtig ist die Messung vor einem geplanten Umbau. Werden beim Altbau erhöhte Radonkonzentrationen gemessen und befindet sich das Gebäude in einem Radongebiet, ist größte Vorsicht geboten.

Ohne bestimmte Vorkehrungen oder Gegenmaßnahmen eingeplant zu haben, können Umbauarbeiten im Keller oder Parterrebereich des Hauses, der Anbau eines Winter-gartens, das Anbringen von Wärmedämmplatten an den Außenmauern, oder auch nur der einfache Austausch von Fenster und Türen, die Radonkonzentrationen erheblich erhöhen. Ähnliches gilt für bestimmte Installationen wie z.B. mit Unterdruck betriebene Innenraumbelüftungssysteme, insbesondere, wenn die Luft durch im Erdreich verlegte Rohrsysteme angesaugt wird; weiters eine geothermische Heizanlage oder eine Bodenheizung (nur in nicht unterkellerten Parterre- oder Tiefparterreräumen), wenn diese nicht radondicht errichtet bzw. verlegt werden.


Durchgehende Betonfundamentplatte
ideale Radonvorsorge beim Neubau

Die geplanten Umbauarbeiten sollten daher unbedingt vorher vom Standpunkt des Radons bewertet werden. In den meisten Fällen können relativ einfache Radongegenmaßnahmen ohne größere Änderungen am ursprünglichen Projekt in das Sanierungsvorhaben mit eingeplant werden. Bei sehr großen und alten Bausubstanzen mit dicken und poröse Steinmauern sind Radonsanierungen
hingegen meist problematisch.

Eine nachträgliche Radonsanierung ist aber auf jeden Fall aufwendiger, teurer und weniger wirksam. Auch beim Neubau sollte man unbedingt vorher die Radonkarte beachten, insbesondere wenn sich der Baugrund in einer Hanglage befindet. In Radongebieten ist eine gute Isolation der Böden unerlässlich:Eine durchgehende Beton-fundamentplatte bietet idealen Radonschutz. Man beachte, dass ein Feuchtigkeitsschutz nicht unbedingt mit Radonschutz gleichzusetzen ist - letzterer ist viel komplexer. Bei Streifen-fundamenten sollte, abgesehen von der Isolation, unbedingt als zusätzliche Radon-gegenmaßnahme der Einbau einer belüfteten Schotterschicht mit Drainagerohren eingeplant werden (besseren Schutz bietet allerdings die Fundamentplatte!). Offen verbleibende Durchführungen zum Erdreich sind nach Möglichkeit zu vermeiden bzw. seitlich zu verlegen und auch hier auf jeden Fall gut ab-zudichten.

Einbau einer belüfteten
Schotterschicht mit Drainagerohren
im Rahmen einer Altbausanierung.

Zwei Möglichkeiten zur Radonmessung.

1) Die stromlose Messung mit passiven Dosimetern. Diese werden mit der Post zugeschickt und im zu untersuchenden Raum für einige Monate exponiert.

2) Die aktive Messung mit einem strombetriebenen Gerät; dauert nur wenige Tage.

Weitere Auskünfte im Internet unter der Adresse:
www.provinz.bz.it/umweltagentur/2908/radon/index_d.htm oder direkt beim Labor für physikalische Chemie Tel. 0471 417141.

Dr. Luigi Minach
Labors für physikalische
Chemie der Landesumweltagentur
Bozen.

Copyright © 2006 Sonnleiten KG. Alle Rechte vorbehalten. WebDesign: M.Riva. Letzte Aktualisierung: 08.11.06