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Schimmel

Wohnen wir uns krank?

Der Schimmel wächst auf feuchtem Nährboden, z. B. auf Kunststoff, Holz, Verputz und Textilien. Von den ca. 120.000 Schimmelpilzarten ist eine geringe Anzahl giftig und durch deren Sporen und Gifte ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsrisiko. Sie können z. B. Atemwegserkrankungen, Mykosen, Haut- und Schleimhautschäden, Organschäden, Beeinträchtigungen des Immun- und des zentralen Nervensystems bewirken.

Mögliche Ursachen der Schimmelbildung

1) Durch Bauschäden:

  • kapillar aufsteigende oder eindringende Feuchte durch mangelhafte vertikale und horizontale Isolierung der Außenwand,

  • Wasser dringt unkontrolliert über das Dach ein oder Rohrleitungen sind defekt.

2) Durch Baufehler (fehlende Beachtung der Bauphysik):

  • Verwendung von Baustoffen, die nicht hygroskopisch sind, d. h. keine Feuchtigkeit puffern können.

  • Kondenswasserbildung an der Innenseite des Mauerwerks durch Wärmebrücken (auskragender Balkon, Hausaußenecken, Fensterlaibungen,Heizkörpernischen u.a.).

  • bauphysikalisch falsch ausgeführte Innendämmung.

3) Durch die Bewohner:

  • mangelhafte Lüftung,

  • kältere Räume werden mit warmer, feuchter Luft z. B. aus Küche und Bad "temperiert",

  • Feuchtigkeit durch überdurchschnittliches Duschen, Baden, Kochen, Waschen, Wäschetrocknen, viele Pflanzen.

Physikalisches Phänomen

Eine durchschnittliche Familie mit 4 Personen produziert täglich durch oben genannte Tätigkeiten rund 10l Wasser in Form von Wasserdampf. Die Raumluft kann, je nach Temperatur, nur eine bestimmte Menge Feuchtigkeit aufnehmen (z. B. bei 15° C ca. 13 g/m2, bei 20° C ca. 20 g/m2).Die überschüssige Feuchtigkeit kondensiert dann auf kalten Flächen wie Wärmebrücken (Fenster, Innenecken, u.a.), denn Wasserdampf will immer wieder zu Wasser werden. Dabei ist die Beobachtung dieser Situation mit einem Feuchtigkeitsmessgerät (Hygrometer) unbedingt erforderlich. Da Wasserdampf immer Kälte braucht um zu kondensieren, sollte man bei einem Messwert von über 60% relativer Luftfeuchte die notwendigen Maßnahmen sofort ergreifen.

Vorbeugen

  • Gegen drückendes oder aufsteigendes Wasser aus dem Erdreich ist eine bautechnische oder bauphysikalische Lösung anzustreben (Drainageraum sanieren, Sanierputz, Umkehrosmose usw.).

  • Dämmung der Außenwände oder der Wärmebrücken durch eine bauphysikalisch berechnete Außen-oder Innendämmung. Dabei finden nur hygroskopische und diffusionsfähige Materialien Anwendung.

  • Abdichtende Farben/Tapeten entfernen.

  • Durch Beobachten des Hygrometers Feuchtesituation in der Wohnung immer im Auge behalten (ca. 50% rel. Feuchte).

  • Die Möbel an der Außenwand sollen mindestens einen Abstand von 10 cm haben.

Maßnahmen zur Sanierung

Beim Entfernen von Oberflächenschimmel Handschuhe, Mundschutz und Schutzbrille tragen. Dann mit getränktem Lappen oder Bürste, unter Vermeidung eines Aufwühlens der Pilze und Sporen dem Schimmel zu Leibe rücken. Folgende Produkte können dazu verwendet werden: Borsalzlösung, Ethylalkohol oder verdünnter Brennspiritus (Feuergefahr!), Essig oder verdünnte Essigessenz. Bei den betroffenen Stellen muss auch der Anstrich bis auf den Verputz entfernt werden.

Lüftung

Die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung von Schimmel ist das richtige Lüften oder besser gesagt Luftwechsel. Dazu ein bisschen Physik um das Phänomen Schimmel besser zu verstehen:

  • Je wärmer die Luft ist, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen.

  • Feuchte in Form von Wasserdampf will immer auf kalten Flächen innen oder außen kondensieren.

  • Die Feuchtigkeit (Wasserdampf) will immer dorthin, wo es kälter oder trockener ist.

  • Beim Luftaustausch durch Lüften kann also die kühlere oder trockenere Außenluft überschüssige Feuchtigkeit aufnehmen.

Zum richtigen Lüften

Im Winter (kalte Außenluft) immer nur Stoßlüften. Je kälter die Außenluft desto kürzer soll man lüften. Fenster und Innentür auf, dann 5 – 10 Minuten Querlüften. Dazu Hygrometer beobachten!! (ca. 50% rel. Feuchte)

  • Im Winter Fenster nicht kippen!

  • In Räumen ohne Fenster kontrollierte Zwangslüftung (Ventilator) einsetzen.

  • Bei der Einrichtung 10 cm Abstand zur Außenwand einhalten.

  • Im Sommer nicht unkontrolliert den Keller lüften (kalte Oberflächen)

Maßnahmen zum Schluss

  • Schimmel sofort entfernen

  • Hygrometer anschaffen und beobachten (Anzeige über 60% = lüften!)

  • Wenn die Situation für den Bewohner zu kompliziert ist, einen Fachmann bestellen. Dieser wird die notwendige Messung vornehmen, ein Protokoll erstellen und Empfehlungen geben.

Matthias Bauer
Baubiologe IBN, Dorf Tirol


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