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Kollegium der Geometer und akademischen Geometer

Kollegium der Geometer Südtirol

Bereits zur Zeit der Antike gab es den Agrimensor – heute Geometer genannt – als einen der ersten und offensichtlich für das Gesellschaftsleben unabdingbaren freien Berufe. Die anderen Freiberufe waren der Arzt und der Anwalt … hierzu bedarf es keiner weiteren Erläuterung, offensichtlich liegt dem Menschen die Auseinandersetzung mit seinesgleichen in den Genen... Hatte der Agrimensor noch vor tausenden von Jahren seinen Ursprung im Landvermesser, welcher nach den jährlichen Nil-Überschwemmungen immer wieder die Grundstücke der Bauern abzustecken hatte (und dadurch Grenzstreitigkeiten zu vermeiden suchte), so bildet die Vermessung heute nur mehr einen Teil der vielfältigen Tätigkeit des Geometers. Bereits in den Zwanziger-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde im Zuge der Verwaltungsnovellierung des Staates auch der Geometerberuf durch staatliche Bestimmungen neu und einheitlich geregelt. Dabei wurde in der Berufsordnung von 1929 unter anderem der Südtiroler und Trentiner Besonderheit des Grundbuchswesens Rechnung getragen: nur wer in diesen Provinzen geboren ist, ist befugt, entsprechende grundbuchsfähige Akten wie Grundstücksteilungspläne und Gebäudeteilungspläne zu erstellen, alle anderen müssen zumindest ein Jahr lang als Freiberufler hier tätig sein. Dadurch wird dem Bürger die Gewähr gegeben, dass nur wirklich befugte Fachleute diese wichtigen Dokumente mit weitreichenden Folgen (man denke nur an die Abgrenzung des Eigentumsrechtes an Haus und Grundstück) erstellen können. Der Geometer erhält seine Fachausbildung heute noch an der Fachoberschule für das Bauwesen, muss danach ein zertifiziertes Berufspraktikum ableisten und die Staatsprüfung bestehen, welche allgemein als schwierig gilt. Der Kandidat muss nämlich nachweisen, sich in den drei Hauptbereichen – Vermessung und Topographie, Liegenschaftsbewertung und Schätzung, Planung und Bauwesen – ausreichend und zum Nutzen des Bürgers auszukennen.

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Die demnächst zu erwartende Gesetzesnovellierung des Geometerberufes bringt mit sich, dass zudem ein universitäres Studium mit berufsbefähigendem Studienabschluss gefordert ist, sodass der gesamte mehrjährige Ausbildungsweg Oberschule und anschließendes UNI-Studium umfasst.

Die Vermessung bildet heute nur mehr einen Teil der vielfältigen Tätigkeit des Geometers

Neben den Architekten und Ingenieuren leistet der Geometer ebenfalls seinen fachkundigen Beitrag bei der Erstellung des Eigenheims. Während er ebenso zur Planung und Bauleitung für bescheidene Bauten befugt ist, kann der Geometer des 21. Jhd. aber dank seiner weitgefächerten Ausbildung mit einer Reihe von weiteren Dienstleistungen beim Bau des Eigenheims dem Bürger nützlich sein:

  • Projekt- und Baustellenkoordination der verschiedenen am Bauprozess Beteiligten
  • Bauabrechnung und Baubuchhaltung
  • Sicherheitskoordination
  • Grundlagenerhebung urbanistischer und zivilrechtlicher Natur
  • Vermessung und Bestandsaufnahme von Bauwerken
  • Grenzfeststellung
  • Grundstücks- und Gebäudeteilungsplan (materielle Teilung eines Hauses mit Erstellen der Kondominiums-Tausendsteltabellen)
  • Grundbuchsanträge
  • Bestandsbewertung und Liegenschaftsbewertung (z.B. für Finanzierung)
  • Klimahausbelange und Bescheinigungen
  • Gebäudeverwaltung (Kondominiumverwaltung) und Facility Management
  • Sachverständiger in Mediations- und Streitverfahren

Natürlich wird die zunehmende Vertiefung der einzelnen Arbeitsbereiche immer mehr zur Spezialisierung führen, sodass der „Alleskönner“ immer mehr in den Hintergrund tritt. Man wird daher auch sinnvollerweise beim Bau seines Eigenheims mit einem Pool an Fachleuten zusammenarbeiten, wo jeder seine besondere Qualifikation zum Wohle des Bauherrn einbringt. Dieses Zusammenwirken muss aber ebenfalls kompetent und souverän gesteuert werden, und für diese Funktion als Projektsteurer eignet sich der Geometer besonders, da er einerseits über ausreichendes Grundlagenwissen in den beim Bau betroffenen technischen und rechtlichen Bereichen verfügt, andererseits aber durch seinen Ausbildungsweg bereits früh mit der Notwendigkeit der zwischenmenschlichen Beziehungen und Lösungsfindung konfrontiert ist. Zudem stellt die laufende und kontrollierte Fortbildungsverpflichtung eine weitere Absicherung zum Schutz des Bürgers dar.

Daher wird der Geometer, wie schon bereits vor tausenden von Jahren, seinen Beitrag in der Gesellschaft leisten. Das Geometerkollegium der Provinz Bozen vereint die freiberuflichen Geometer, bietet entsprechende Weiterbildung an, und ist Ansprechpartner sei es für Einzelbelange als auch für Anliegen von allgemeinem Belang. Des Weiteren ist das Geometerkollegium in verschiedenen Gremien und Arbeitstischen der öffentlichen Verwaltung vertreten, und arbeitet als Einrichtung eines öffentlichen Dienstes mit den staatlichen und dezentralen Behörden und Überwachungsorganen zusammen.

Gerne können Sie sich an unser Geometerkollegium in den verschiedensten Anliegen wenden, wir werden Sie nach Möglichkeit beraten und unterstützen.


Baufuchs 2019