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Geruchlos, unsichtbar, radioaktiv - eine unnötige Gefahr im Wohnbereich.

Radongas – ein Risikofaktor der beim Neu- oder Umbau unbedingt vorher berücksichtigt werden sollte.

Radon, ein radioaktives Edelgas dringt in mehreren Gebieten Südtirols aus dem Erdreich in unsere Häuser. Die Landesumweltagentur hat in vielen öffentlichen und privaten Gebäuden das Problem untersucht. Unter Berücksichtigung der neuesten Erkenntnisse werden nützliche Tipps und Hinweise für die Radonsanierung beim Altbau und Radonvorsorge beim Neubau gegeben.

In Südtirol findet man die höchsten Radonkonzentrationen im gesamten mittleren und oberen Vinschgau, weiters im Raum Franzensfeste, Lüsen, Brixen und im nördlichen Teil des Pustertales (Bruneck, Pfalzen, Gais, Rasen-Antholz, Percha, Niederdorf). Die Radonkarte von Südtirol im Internet gibt einen ersten Anhaltspunkt über die Radonbelastung der einzelnen Gebiete (umwelt.provinz.bz.it/strahlung).

Radon ist ein natürliches radioaktives Edelgas, das beim radioaktiven Zerfall von Uran entsteht. Im Besonders gefährdet ist man in unterirdischen Räumen.

Besonders gefährdet ist man in unterirdischen Räumen. Die italienische Gesetzgebung sieht daher für die Radonkonzentration an solchen Arbeitsplätzen, sowie in Pflichtschulen, Kindergärten und Kinderhorten einen Grenzwert von 500 Bq/m³ (Jahresmittelwert) vor. Die Durchführung einer Ra-donmessung ist verpflichtend vorgeschrieben und bei Überschreitung des Grenzwertes muss der Arbeitgeber entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen, um die Radonkonzentration zu senken. Für den privaten Wohnbereich gibt es nur eine EU-Empfehlung, und zwar 400 Bq/m³ bei bestehenden Bauten und 200 Bq/m³ bei Neubauten.

Im Wohnbereich wurden in Südtirol Radonwerte bis zu einigen zehntausend Bq/m³ gemessen. In einigen wenigen Fällen sind auch Lungenkrebsfälle bei den Bewohnern (Nichtraucher) der radon-belasteten Häuser dokumentiert. Ob in diesen Fällen Radongas dafür verantwortlich ist, ist allerdings nicht bewiesen. Internationale epidemiologische Studien bestätigen jedenfalls, dass Radon ganz eindeutig krebserregend ist. Erhöhte Radonwerte sollten daher vermieden werden.

Radonbelastete Häuser haben oft gemeinsame Merkmale. Treffen gleichzeitig mehrere der folgenden Punkte zu, ist eine Radonmessung dringend zu empfehlen: Das Haus befindet sich in einem Ra-dongebiet. Das Haus befindet sich auf oder unmittelbar neben einer Hanglage (Murgang oder Schuttkegel). Die Räume haben an mehreren Wänden und am Boden direkten Erdkontakt und sind schlecht isoliert, oder diese befinden sich über einem wenig belüfteten Naturbodenkeller mit einer schlecht isolierten Holzdecke. Gerade bei geplanten Umbau- und Sanierungsarbeiten sollten diese Angaben unbedingt berücksichtigt werden. Erst kürzlich wurde in einem Haus im Vinschgau, bei dem die oben genannten Merkmale zutreffen, der bisher absolute Spitzenwert von 102.000 Bq/m³ (zum Glück nur im Keller!) festgestellt.

Werden beim Altbau erhöhte Radonkonzentrationen gemessen oder befindet sich das Gebäude in einem Radongebiet, ist bei Umbauarbeiten im Keller- oder im Parterrebereich des Hauses Vorsicht geboten. Bereits der Anbau eines Wintergartens, das Anbringen von Wärmedämmplatten an den Außenmauern, oder auch nur der einfache Austausch mit dichten Fenstern und Türen, kann die In-nenraum-Radonkonzentrationen erheblich beeinflussen. Ähnliches gilt für bestimmte Anlagen z.B.: Die Verwendung von Bodenluft zur Raumbelüftung, geothermische Heizanlagen mit undichten Zuleitungsschächten, eine Fußbodenheizungen in nicht unterkellerten Parterre- oder Tiefparterreräumen, mit Unterdruck betriebene Innenraumbelüftungssysteme in Häusern ohne Fundamentplatte, das Ansaugen der Raumluft durch im Erdreich undicht verlegte Rohrsysteme, usw...

Es sei an dieser Stelle ausdrücklich betont, dass Radonschutz und energiesparendes Bauen absolut keine Gegensätze sind, denn auch bei letzterem steht beim Neubau die Dichtheit des Gebäudes im Fundamentbereich an oberster Stelle. Etwas schwieriger zu vereinbaren ist dies allerdings bei der Altbausanierung. Es zahlt sich daher aus, die Umbauarbeiten vorher unter dem Gesichtspunkt des Radons genau zu bewerten und bei Bedarf entsprechende Gegenmaßnahmen (siehe Kasten) einzuplanen. Radonschutz und Energiesparmaßnahmen sollen sich vorteilhaft ergänzen!
Wichtig: Da nicht jede Radonsanierung auf Anhieb zum Erfolg führt, muss die Wirksamkeit der getroffenen Radongegenmaßnahmen unbedingt durch eine fachgerecht ausgeführte Kontrollmes-sung überprüft werden.

Was ist Radon?

Radon ist ein natürliches radioaktives Edelgas, das beim radioaktiven Zerfall von Uran entsteht. Uran ist ein weit verbreitetes Spurenelement, das vermehrt in kristallinen Böden wie Granit, Gneis, Quarzphyllit, Porphyr, usw. vorkommt. Die Maßeinheit für das Radongas ist das Becquerel/m³ (Bq/m³). Vom Erdreich kann Radongas über undichte Stellen in unsere Häuser eindringen und dort, vor allem in Keller- und Parterrewohnungen, hohe Konzentrationen annehmen. Im Freien verflüch-tigt sich Radongas hingegen sehr rasch.

Eingeatmet ist Radongas ein Risiko für unsere Gesundheit (Lungenkrebs). Erhöhte Radonwerte sollten daher vermieden werden. Eine Radonmessung kann bei der Landesumweltagentur, Labor für physikalische Chemie beantragt werden. Besonders wichtig ist diese vor einem geplanten Neu- oder Umbau. Im Gegensatz zum Altbau ist beim Neubau die Radondichtheit aber leichter zu realisieren.

Die Radon-Gegenmaßnahmen:

Passive Gegenmaßnahmen:
Als die einfachsten Radongegenmaßnahmen bei nur leicht erhöhten Radonkonzentrationen (einige 100 Bq/m³) gelten das vermehrte Lüften oder kleine bauliche Ab-dichtungsmaßnahmen. Achtung: Bei höheren Radonkonzentrationen (> 1000 Bq/m³) sind diese Maßnahmen normalerweise nicht ausreichend (siehe das Pilotprojekt)! In diesen Fällen benötigt man sog. aktive Gegenmaßnahmen.


Aktive Gegenmaßnahmen:
Man spricht von aktiven Gegenmaßnahmen, weil deren Wirkung durch Ventilatoren unterstützt wird. Aktive Maßnahmen werden in Verbindung mit Isolationsmaßnahmen eingesetzt. Vielfach können diese ohne größere Änderungen in das ursprüngliche Umbauprojekt integriert werden. Die am häufigsten eingesetzten Methoden sind:

a) Die Überdruckmethode: Mit Hilfe eines kleinen Ventilators (möglichst geräuscharm) wird in den betreffenden radonbelasteten Räumen Außenluft eingeblasen (nicht absaugen!). Es bildet sich ein leichter Überdruck, der dem vom Boden her eindringenden Radongas entgegenwirkt. Bedingung: Sämtliche Fenster und Türen müssen mit Dichtungsstreifen versehen sein und nach dem regelmäßigen Lüften der Räume geschlossen bleiben. Die Methode ist besonders für kleine und größere Klassenräume geeignet.

Im Werkraum im Tiefparterre der Mittelschule F. Ebner in Schlanders konnte die durchschnittliche Radonkonzentration von vorher 1100 Bq/m³ auf 50 Bq/m³ abgesenkt werden.



b) Das Absaugen aus einem Zwischenboden: Bei der Sanierung der Turnhalle in der Grundschule Karthaus wurde die vom Boden her in den Raum eindringende radonhaltige Luft in einem Zwi-schenboden abgefangen und daraus abgesaugt (kleines Prinzipbild 5).



c) Die Bodenluftabsaugung. Im Fundamentbereich des Hauses wird ein Hohlraum im Erdreich ge-graben (kleines Prinzipbild 6) oder ein Drainagesystemen (Bild 7) errichtet. Dieses wird mit einer geeigneten Rohrleitung nach draußen verbunden. Darüber wird alles zugemauert bzw. ein neuer Boden errichtet. An die Rohrleitung wird ein Ventilator angeschlossen, der die radonhaltige Boden-luft abgesaugt und nach draußen bläst, bevor sie ins Haus eindringen kann. Die Methode ist besonders für Gebäude mit hohen Radonkonzentrationen geeignet.

Bei der Sanierung der Grundschule in St. Valentin a. H. wurde im Fundamentbereich der Schule ein Hohlraum unter dem Fußboden des Lehrerzimmers errichtet, aus welchem die radonhältige Boden-luft abgesaugt wird. Die Radonkonzentration konnte von vorher 18.000 Bq/m³ auf unter 250 Bq/m³ abgesenkt werden (Bild 8).



d) Die Lüftung mit Wärmerückgewinnung: In Abhängigkeit von der Bausubstanz sind manche Häuser durch die bisher erwähnten Maßnahmen nur mit sehr großem Aufwand sanierbar, dies gilt vor allem bei alten Gebäuden mit sehr dicken und porösen Steinmauern. Steigt Radongas über die Mauern hoch, sind die Erfolgsaussichten gering und kostenintensive bauliche Maßnahmen sind meist nutzlos. In diesen Fällen sind Lüftungssysteme mit einer Wärmerückgewinnung die in den einzelnen Räumen oder als zentrale Anlage errichtet wird, die einzige brauchbare Lösung (kleines Prinzipbild 9). Eine solche Anlage wird derzeit in der Schlandersburg errichtet.



e) Das Radonsanierungspilotprojekt. Im Rahmen eines in Südtirol durchgeführten Radon-Pilotsa-nierungsprojektes, konnte anschaulich gezeigt werden, dass selbst sehr aufwändige Isolationsmaß-nahmen allein normalerweise nicht ausreichend sind, um das Radonproblem dauerhaft zu beheben. Das betroffene Privatgebäude wies einen mehr als hundertfachen Wert des Grenzwerts, also bis zu 65.000 Bq/m³ im Keller, 3.000 Bq/m³ im Erdgeschoß und 2000 Bq/m³ in einem Raum im zweiten Stock auf.
Das Gebäude befindet sich in einer Hanglage, die Mauern haben auf der Bergseite im Erdgeschoss direkten Erdkontakt und das Haus ist zur Gänze mit Hohlziegel gebaut. Radongas konnte daher über die Hohlziegel vom Boden her und zusätzlich von der Rückseite des Hauses durch die Wände eindringen. Weiters vermutete man, dass Radon vom Keller über den undichten Kamin ins Schlaf-zimmer im zweiten Stock gelangte.

Die noch eher einfache Methode der Bodenluftabsaugung mit einem einfachen Hohlraum unter dem Fußboden im Erdgeschoss erwies sich als völlig wirkungslos. Zur Sanierung wurde beschlossen im gesamten Erdgeschoss eine in Schotter gebettete Drainage und darüber einen hermetisch abgedich-teten Betonboden zu errichten. Auf der Bergseite des Hauses wurde die gesamte Wandseite durch einen Schacht vom Erdkontakt befreit. An der Außenwand wurde ein neuer Kamin errichtet werden und der alte Kamin wurde für die Ableitung des Radongases aus der Drainage verwendet (kleines Prinzipbild 10).

Besonders beeindruckend war, dass die sehr aufwändigen Isolationsmaßnahmen allein nicht ausreichten, um das Radonproblem zu lösen. Erst durch Anbringen eines Ventilators, also einer aktiven Absaugung des radioaktiven Gases aus der Schotterdrainage, sanken die Radonwerte von zirka 3000 Bq/m³ auf unter 400 Bq/m³. Die eindeutige Schlussfolgerung war, dass bei höheren Radonwerten die Isolationsmaßnahmen nur in Verbindung mit einer aktiven Radongegenmaßnahme sinnvoll sind.

Diesen Artikel finden Sie auch im gedruckten Baufuchs 2007


Fachautor

Dr. Luigi Minach
Umweltagentur Bozen

Luigi Minach

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